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XTerra France, Xonrupt (10. Juli 11) PDF Drucken E-Mail
XTerra France

Für einmal sollte die Wettervorhersage stimmen: Pünktlich zum Start um 14h kam der grosse Regen und verwandelte die Wettkampfstrecke in einen Schlammparcours sondergleichen. Doch der Reihe nach. Dass der XTerra France in den Vogesen ein Hammerwettkampf ist, hat sich offensichtlich herumgesprochen. Gut 25% mehr Teilnehmer waren bei der zweiten Austragung zu verzeichnen. Der Schwimm-Split im Lac de Longemer ist super gelaufen, wenn auch oft "Feindkontakt" zu spüren war und mir 100 Meter vor dem Ausstieg doch noch einer seine Ferse voll in den Oberkiefer gerammt hat. War das notwendig? Von den vor mir klassierten Teilnehmern meiner Alterskategorie habe ich die zweitbeste Schwimmzeit hingelegt. Und das trotz wochenlanger Schulterverletzung, die kein Training erlaubt hatte. Es geht also auch mit wenig Schwimmtraining und ohne Sprinttraining.

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Klugerweise hat man den Anfang der Bike-Strecke dieses Jahr entschärft. Anstatt über einen mit Netzen gesicherten Single-Trail ging es anfangs einen asphaltierten Forstweg hoch. Dadurch hat sich weniger Rückstau gebildet und man ist leichter in den Rhythmus gekommen. Auch der erste Waldweg war breit, so dass sich auch hier die Möglichkeit des Überholens bot, bevor dann schliesslich die Single-Trail Passagen kamen. Und diese waren dann oft kaum fahrbar. Es war nur eine einzige Schlammspur. Gegner, welche im Morast kapitulierten und zu Fuss unterwegs waren, versperrten den Weg und zwangen einem selber vom Sattel. Teilweise war die Steigung aber so stark und derartig mit Wurzeln und Steinen durchsetzt, dass beim völlig aufgeweichten Untergrund nur Laufen möglich war. Trotzdem habe ich mit Zufriedenheit festgestellt, dass ich bei viele Passagen, welche andere gelaufen sind, noch auf dem Rad geblieben bin. Zum einen hat mir mein leichtes Körpergewicht geholfen, zum anderen habe ich bei diesem Wettkampf gelernt, trotz nassen Wurzeln und Steinen, denen man auf dem Single-Trail beim Aufstieg nicht ausweichen konnte, auf dem Rad zu bleiben: Hindernis mit dem Vorderrad überquert und dann das Hinterrad beim Überqueren der nassen Wurzel oder Steinplatte kurzen entlastet, um erst danach wieder Schub zu geben (geht natürlich nur, wenn man mit relativ viel Kraftaufwand den notwendigen Vortrieb bergauf schafft, damit man nicht an den Hindernissen schon mit dem Vorderrad hängen bleibt). Damit blieb mir erspart, was ich hinter mir dann und wann hörte. Ich über die Megawurzel hinweg, hinter mir gibt es kurz danach einen mächtigen Knall, als ob ein Kartoffelsack von zwei Meter Höhe runtergeknallt ist. Da hat einer auf der Wurzel Druck gegeben, das Hinterrad hat durchgedreht und er ist praktisch im Stillstand zur Seite runtergeknallt. Aua! Nach dem Rumps ein Fluchen und die besorgte Stimme eines anderen Teilnehmers, ob alles okay sei. Meine neu aufgezogenen Mountain King 2.2 Race Reifen haben übrigens einen super Job abgeliefert. Der Luftdruck von 2.0 bar vorne und 2.2 bar hinten bei 67 kg Körpergewicht (inkl. Carboloading) war ausgezeichnet. Vielleicht hätte es noch mit etwas weniger gehen können, ich wollte aber keinen Durchschlag bei der Abfahrt riskieren und die Gefahr eines von der Felge rutschenden Pneus vermeiden. Der Grip war jedenfalls bestens. Andere hatten weniger Glück. Ich sah unterwegs relativ viele Defekte: platte Reifen, kaputte Wechsler, Sattelstütze weg ... 

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Die Abfahrten waren kein Problem. Hätte teilweise noch einen Tick schneller als andere fahren können. Wegen des Regens und Schlamms habe ich die Radbrille aber schnell eingepackt, weil sie völlig beschlagen war. Folge: dann und wann ist Schlamm in mein Auge gespritzt und so beim Downhill im Schlamm und zwischen Steinblöcken halbblind einen Gegner zu überholen, habe ich dann doch unterlassen. Die zweite 17 km Runde mit weiteren 717 Höhenmeter habe ich ohne nennenswerte Probleme geschafft, aber schon deutlich an Zeit verloren. Die Kraft hat hier gefehlt, um auf dem Rad die Single-Trails zu fahren und mit dem Rad zu Fuss zu sprinten. Aber ich war dann doch ehrgeizig genug, den letzten Anstieg mit dem Rad zu fahren, während die anderen im Gänsemarsch hoch marschiert sind. Leider konnte ich damit kein Kapital schlagen, war ich doch etwa gleich schnell wie die "Fussgänger". Immerhin war es auf dem Rad weniger anstrengend. Was wirklich gefehlt hat, war ein Tick mehr Kraft, um meine Technik in Zeitgewinn ummünzen zu können. Möglicherweise hätte ich auf Teufel komm raus im roten Bereich drehen und noch einige Sekunden schneller sein können. Viel Zeit wäre damit aber auch nicht gewonnen gewesen. Aber ich wollte die Energie lieber für den Schlammlauf sparen ...

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... und der wurde zum coolen Ritt. Drittbeste Laufzeit gegenüber meinen direkten Gegnern. Wow! Der 2x5 km Trailrun (ca. 300 Hm) war auch hier im Vergleich zum Vorjahr geändert worden. Die Strecke war weniger coupiert, ging mehr oder weniger gleichmässig hoch bis zum Scheitelpunkt und dann wieder runter gefolgt von einer Schlaufe durchs Zielgelände. Dazwischen gab es Querpassagen im steilen Wald sprich, Morast zu passieren. Ging alles sehr leichtfüssig. Meine Salomon Speedcross 2 Schuhe waren absolut spitze. Kein Rutscher, super Seitenhalt und obwohl sie keine Gortexbeschichtung haben, hat der Schlammschutz erstaunlicherweise extrem gut funktioniert. Oft musste ich durch Knöchel tiefen Morast und Wasserlachen laufen und bekam keine nassen Füsse. Ich war ziemlich beeindruckt von meinem Schuhwerk. Auf der zweiten 5 km Runde habe ich dann das fünfte Gel des Wettkampfs genommen und noch eine Koffeinampulle eingeworfen. Danach ging die Post ab. Ich bin die abschliessende Runde schneller als die erste gelaufen. Es hat sich also gelohnt, beim Biken nicht alle Energie zu verheizen. Ich bin teilweise nur noch an anderen Teilnehmern vorbeigeflogen, die noch auf der ersten Runde waren. In den Off-road Stellen am Waldhang ging es voran wie eine Gemse. Auf den letzten 300 Metern habe ich dann gleich noch drei Positionen im Overall-Ranking gutgemacht. Die Jungs waren auf dem absteigenden Ast, ich hingegen bin in vollem Saft dem Ziel entgegen gesprintet. Was für ein Finish. Geworden ist es nach 4h27 ein 7. Rang, was auch meinem Bike-Split entsprach. Ich habe mich etwas weiter vorne erwartet, aber der Dritte des letzten Jahres war dieses Jahr auch nur Sechster (wenn auch 9 Min. vor mir). D.h., in diesem Jahr sind doch noch einige stärkere Teilnehmer dabei gewesen. Der 1. Platz ging an einen Engländer, der zweite an einen Österreicher, der Fünfte war ein Holländer, dazwischen Franzosen, also fünf Nationen auf den ersten sieben Plätzen.

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Fazit: Ein super Wettkampf. Die Atmosphäre war wieder genial. Die Organisatoren haben einen ausgezeichneten Job geleistet. Ich habe beim Biken eindeutig noch Steigerungspotential. Wenn ich denn Frühlingsmarathon weglasse und mich mehr aufs Biken konzentriere, sollte hier noch etwas drin liegen. Dafür, dass ich nur 1500 km Radtraining in zehn Wochen gehabt habe und wochenlang kein Schwimmtraining absolvieren konnte, darf ich mit dem Erreichten sehr zufrieden sein.

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