Startseite arrow Wettkampfberichte arrow Triathlon arrow Seelandtriathlon Murten (12. Juni 11)
Seelandtriathlon Murten (12. Juni 11) PDF Drucken E-Mail

Heute bin ich wie die Jungfrau zum Kind zum 2. Rang am Sprint-Triathlon in Murten gekommen. Seit meiner Schulterverletzung von Mitte Mai habe ich kein mehr Wasser gesehen. Zuvor hatte ich wegen des Marathontrainings seit Januar nur vier Wochen Schwimmtraining. Kurz gesagt: Ich habe praktisch kein Schwimmtraining in dieser Saison absolvieren können. Am Freitag musste ich dann doch testen, ob ich mit meiner lädierten Schulter überhaupt schwimmen kann. Der Schmerz hatte seit zwei Tagen ziemlich nachgelassen. 2 x 500 Meter bin ich geschwommen, habe gekeucht wie nach einem 100 Meter Lauf und die Schulter war danach wieder wie vor vier Wochen. Eine Katastrophe. Am Samstag habe ich mir Aspirin eingeworfen und Hot Packs zur Durchblutung aufgelegt.

Die Taktik war für den Sonntag ähnlich. 80° heisse Hot Packs habe ich 90 Minuten vor dem Start auf den Schultern getragen, 30 Min. vor dem Start ein Aspirin. Ziel dieses Wettkampfs war ursprünglich, nur in den Tri-Rhythmus zu kommen. Am Dienstag hatte ich ja die schwere Bergintervall-Trainingseinheit und am Donnerstag war ich PB über meine 85 km Runde von Neyruz-Murten-Neyruz gefahren. Am Freitag dann noch einmal 12 Min. voll am Limit mit dem Bike und danach ein 2.25 km Tempolauf (normalerweise mache ich das dreimal oder viermal, am Freitag war es nur als Temporeiz gedacht). Doch mit der Schulterverletzung sollte der Wettkampf nur noch zeigen, ob ich überhaupt irgendwie schwimmen kann.

Bei strahlendem Wetter fiel der Startschuss zum 750 Meter Schwimmen. Als Lame Duck habe ich mich ganz rechts im Feld eingereiht, aber konnte es nicht lassen, doch ganz vorne einzustehen. Damit würde ich nicht überschwommen, wäre aber doch einigermassen vorne dabei. Zu meinem grossen Erstaunen war der Schmerz beim Nach-vorne-Greifen nicht so schlimm und ich fühlte mich ziemlich wohl. Ich war eigentlich immer auf der Überholspur, was mir doch Mumm gab. Nur nach der Wende bin ich einem blinden Blindenführer gefolgt und habe so etwa 20 Sek. unnötig verloren. Doch auch hier habe ich relativ schnell eine 50-75 Min. Lücke bis zur nächsten Gruppe vor mir zugeschwommen. Es hat richtig Spass gemacht. Damit hatte sich dieser Wettkampf schon gelohnt. Schätzungsweise eine Minute habe ich auf meine besten Schwimmzeiten verloren. Damit kann ich leben und das gibt Zuversicht für den XTerra.

Beim 22.5 km langen Bike-Split habe ich alles gegeben. Im Kopf war ich stark, wusste um meine Bergtrainings und MTB-Wettkämpfe und konnte so die Steigung nach Salvenach voll gehen. Auch hier: ich war nur auf der Überholspur. Jeden Meter habe ich gekämpft und in der Endabrechnung sollte es sich auszahlen. Ich wusste, dass ich voll am Limit fahren und danach beim Laufen ein hohes Tempo anschlagen kann. Ich liess mich also nicht irritieren durch die Säure in den Beinen. Einfach ignorieren und nicht ans Laufen denken. Die Ergomo-Auswertung zeigt eine starke Leistung auch gegen Schluss. Damit habe ich die zweitbeste Bike-Zeit erreicht.

Ergomo-Auswertung

gelb = Watt (258 NP); rot = Puls (147); orange = Profil (260 Hm)

Leichtfüssig bin ich auf die 5 km lange Laufstrecke gewechselt. Ich konnte das Tempo gleich zu Beginn bei 4 Min./Km halten. Auf der zweiten Streckenhälfte ging es sogar noch deutlich darunter. Vor mir hatte ich einen jüngeren Hasen, konnte jedoch die 15 Meter dazwischen nie schliessen. Dafür führte er mich an einen Alterskategoriengegner heran (was ich jedoch nicht wusste). Etwa 500 Meter vor dem Ziel war ich bei ihm dran. Ich wollte ihn nicht schleichend überholen, so wie ich die letzten zwei Kilometer Schritt um Schritt zu ihm aufgeschlossen hatte. Ich wollte ihm nicht die Hoffnung schenken, er könnte sich an mich dran hängen. Und so habe ich alle Kräfte gesammelt und bin quasi an ihm vorbei geflogen. Es hat tatsächlich gewirkt. Schnell war die Lücke geschafft und ich bin locker vor ihm mit der zweitbesten Laufzeit ins Ziel gekommen. Dahinter war es dann eng: 4 Sek. zurück der Dritte, nur 14 Sek. Rückstand hatte der Vierte. Was ist die Lehr davon? Immer alles geben. Am Schluss wird abgerechnet.

Mehr als 45 Min. musste ich warten, um zu erfahren, auf welchem Rang ich gelandet war. Keine Speakeransage beim Zieleinlauf (schwach!). Also kein Podestplatz. Wäre ja auch verwegen gewesen. Als 50jähriger in einer Kategorie von 45-54jährigen und dann ohne Schwimmtraining. Also warten auf den Aushang. Der kam aber auch nicht. Man wollte also die Siegerehrung zuerst durchführen und dann die Resultate aushängen. So habe ich mich bei der Rangverkündigung hinter den Speaker geschlichen, um zu sehen, wo denn mein Name wohl stehen würde. Doch ich kam nicht dazu. Plötzlich hiess es: 2. Rang: Jürg Eggler aus Neyruz. Huch, das gibt es doch nicht! Das war wirklich eine tolle Überraschung. Damit der dritte Podestplatz in diesem Jahr. Was für ene Belohnung nach all den Schwierigkeiten in den letzten Monaten.