Wattspiele PDF Drucken E-Mail

Der Trainingsaufbau für die neue Saison hat begonnen. Und wie es sich gehört, wird die Grundlage mit langen Einheiten gelegt. Doch wie schnell muss ich unterwegs sein, damit es zum Schluss der ersten langen Einheit nicht zu einem Einbruch kommt? Da hilft ein Blick ins Trainingstagebuch der Vorjahre mit vielen Wattwerten als Richtlinie.

Am Mittwoch sollte es mit 75 km los gehen. Meine Erfahrung und die Trainingswerte der Vorjahre sagten mir, es mit 180 Watt zu versuchen. Und so habe ich mich strikt daran gehalten, den Durchschnitt nicht höher steigen zu lassen. Hat wie geplant auch geklappt. Musste zwar die letzten 45 Min. in der langen Steigung nach Hause noch beissen, aber das hat gerade gepasst. Puls war 121.

Wie viel Wert ein Wattmeter wie der Ergomo ist, zeigte sich bei der nächsten langen Einheit am Freitag. 90 km wollte ich zurücklegen. In der Regel ist mit einer Superkompensation der vorhergehenden Einheit zu rechnen. Ich würde also etwas mehr leisten können. 15 km zusätzlich und einiges mehr an Höhenmeter (knapp 1'000 insgesamt) würden deshalb einiges fordern. Meine Erfahrung sagte mir, dass 190 Watt wohl genügen würden. Und so habe ich mich dann auch dran gehalten. Locker ging es los und dank Ergomo habe ich mich zurückgehalten. Zum Glück. Denn es sollte hart werden. Die letzte Stunde war hart, sehr hart. Ich konnte die Wattleistung zwar halten, war danach aber ziemlich platt. Der Puls war 126.

Am Sonntag waren 110 oder mehr Kilometer geplant, je nach dem Gefühl in der Trainingseinheit. Einen Ruhetag hatte ich am Samstag und die Superkompensation war einzuplanen. 180 Watt sagt mir meine Erfahrung. Das sollte wohl gehen. Ich entschied mich, drei Runden um den Murtensee zu fahren und die Höhenmeter so etwas zu reduzieren. Insgesamt wurden es 880 HM. Schon zu Beginn hatte ich 182 Watt auf dem Display und diese Leistung habe ich bis zum Ende durchgezogen. Meine Einschätzung hatte nicht getäuscht.

Ein Wort zum Puls: Die beiden ersten Stunden bin ich mit einem Puls von 118 Schlägen unterwegs gewesen, immer schön 182 Watt gehalten. Am Schluss hatte ich einen Durchschnittspuls von 126 Schlägen, d.h., ich bin in der letzten Stunde mit zwischen 135-138 Schlägen unterwegs gewesen. Wäre ich am Anfang nach Gefühl oder Puls anstatt nach Watt gefahren, hätte ich mich verheizt. Aber so konnte ich die letzte Stunde noch voll gehen, hatte oft 200 Watt drauf. Am Schluss waren es 122 km. Und zu Hause fühlte ich mich frischer als nach den 75 km vom Mittwoch. Ohne Wattmessung hätte ich diese gute Leistung nie nach Hause gebracht.

Ein Nachwort: Wer nach Puls fährt, merkt in der Regel am Ende der Trainingseinheit gar nicht, dass er leistungsmässig stark nachlässt. Der Puls steigt in der Regel ziemlich an, wenn man in einer langen Einheit das letzte Viertel in Angriff nimmt und die Leistung konstant hält. Wer den Puls als Massstab für die Leistung nimmt und ihn mehr oder weniger konstant hält, tritt mit viel geringerer Leistung als am Anfang der Einheit. Damit täuscht man sich nicht nur selbst, man nutzt auch den Trainingseffekt nicht, der bekannterweise am Ende am grössten ist (wenn man die Leistung hält).