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XTerra France, Xonrupt (11. Juli 10) PDF Drucken E-Mail
XTerra France
 Wo bin ich?

Vorne weg: Ich habe mit minimalem Aufwand das Maximum bei meinem ersten XTerra herausgeholt und bin damit sehr zufrieden.

Zur Einleitung einige Webkommentare zum XTerra France:

"It's a beast."

"Today I saw again why I love XTerra races. It's you, your bike, the dirt, the climbs AND no excuses. No drafting or sitting in a group."

"The currently worldwide probably toughest Xterra-course. 34 km on the MTB with 1440 metres of vertical climbing and partly technically very demanding climbs/downhills, also the run distance was very selective with about 300m climbing. The race-duration was around more than 15 minutes longer than on the tough Xterra World-Championship course on Maui/Hawaii."

;XTerrra France

Das Setting in den Vogesen bei Xonrupt war wunderbar: Der Lac de Longemer mit einladenden Uferzonen zum Baden und "Bräteln", eingerahmt von bewaldeten Bergflanken. Auch das Wetter mit Temperaturen von etwas unter 30° beim Start um 14h war super. Da der Wettkampf praktisch ganz im Wald stattfand, war die Hitze kein Problem. Der Schwimmstart war eine ziemliche Keilerei. Landstart und Leiberrutschen im Wasser. Ich lag noch nie auf so vielen Körpern, Schläge gab es auch, aber es war im Rahmen, immerhin bin ich nicht überschwommen worden. Mit Neo war der Schwimmsplit über 1500 Meter relativ problemlos. Habe aber wohl im letzten Viertel eine schlechte Route genommen und da etwas Zeit verloren. Hat damit zu tun, dass ich nicht auf Teufel komm raus geschwommen bin und deshalb zuwenig zielstrebig war. Ich wollte einfach nicht gleich schon zu Beginn ausgepumpt sein und habe es (zu) locker genommen. So bin ich nach 27 Min. aus dem Wasser gestiegen und war noch recht frisch. 2 Min. wären sicher noch drin gelegen. In meiner Altersklasse bin ich praktisch zeitgleich mit dem Zweiten aus dem Wasser gestiegen. Aber eben, die Sache wird nicht beim Schwimmen entschieden.

XTerra France

Die Bikestrecke hatte es in sich. 2x17 km mit total 1434 Höhenmetern. Es ist die technisch schwierigste MTB Strecke, die ich bisher gefahren bin. Die Steigungspassagen waren zu grossen Teilen Singletrailes mit vielen Steinen und Wurzeln. Wenn man technisch nicht sauber fuhr, rutschte man auf Wurzeln oder Steinen weg, musste abstehen und kam nicht mehr aufs Rad. In den steilen Passagen war viel Kraft erforderlich, um die Spur halten zu können, was sich besonders in der zweiten Runde bemerkbar machte. Ein kleiner Schwenker und man stand nicht im Schilf, dafür im Wald und dann hiess es latschen. Gleich bei KM 1.5 ging es in einer steil abfallenden Waldflanke auf einem Singletrail hoch, etwa 300 m waren mit Sicherheitsnetzen geschützt. Nicht wirklich gefährlich, aber eine 50 m lange Rutschfahrt in den Wald hinunter wäre trotzdem nicht cool gewesen. Diese Passage musste teilweise auch gelaufen werden, da es felsige Abschnitte zu überqueren gab (weitere Laufpassagen waren Serpentinen den Wald hoch). Zu meiner grossen Zufriedenheit durfte ich feststellen, dass ich an den technischen Stellen wie auch bei den Abfahrten bei den Schnelleren war. Wo viele gingen, bin ich immer noch auf dem Rad den steilen Pfad hochgekrochen, runter bin ich voll gebrettert und habe die Dämpfer meines Fully arbeiten lassen. Kurz vor der Wende zur zweiten Runde ging es der Strasse entlang und dann wurde man über eine ca. 1.5 Meter fast senkrechte Böschung wieder auf den Weg zum Wald geführt. Halb in der Luft durch die schnelle Anfahrt wurde ich von einem noch schnelleren Konkurrenten überholt – unsere Lenker haben sich in der Luft touchiert: Action pur. Diese Stelle wurde mir bei der zweiten Passage, wo es danach zur Wechelzone abging, fast zum Verhängnis. Mit Übermut bin ich mit vollem Tempo in die Böschung rein, wurde wie eine Gummiball in die Höhe katapultiert, konnte aber den Sprung stehen, aber der Kette war es zuviel. Rausgeflogen, also schnell runter steigen, Ding wieder auf das Kettenblatt drauf und weiter. Beim Bikesplit bin ich in meiner Altersklasse als Achter klassiert worden.

XTerra France

Da es mein erster Wettkampf dieser Art war, war die Krafteinteilung die grosse Unbekannte. Ich wollte beim Biken nicht zu viel verlieren, mich aber dort auch nicht völlig auspumpen. Ich wusste, der Trailrun mit 320 Höhenmeter grösstenteils im unwegbaren Waldgelände über zwei 5 Km Runden würde hart werden. Und so war es auch. Die erste Runde hat mich ziemlich an die Grenzen geführt. Bei den Bergaufpassagen ist keiner mehr gerannt. Zum Glück bin ich trotz müden Beinen nicht in den zu überquerenden Bach gefallen, danach ging es gleich in eine senkrechte, drei Meter hohe Flanke hinein. In den weichen Waldboden waren schon die Tritte der Vorgänger getreten (erinnerte mich leicht an eine Eiswand), die Bäume links und rechts waren leicht entlaubt ... Die technischen Bergabpassagen waren okay, aber ich konnte auf der ersten Runde nicht wirklich voll Gas geben. Doch die Schlussrunde ging dann wieder viel besser. Habe mir eine Koffeinampulle reingezogen und so bin ich doch ziemlich flott unterwegs gewesen und habe noch Plätze gut gemacht. Wirklich Zeit habe ich nur beim Laufen verloren. Sollte kein Problem sein, hier stabiler zu sein, wenn ich das Training auf einen 4-Stunden-Wettkampf ausrichte.

Nach 4 Stunden und 11 Minuten bin ich ins Ziel geflogen und ziemlich stolz gewesen, mich mit fast 50 Jahren nochmals neu erfunden zu haben. 9. Platz in meiner Altersklasse (von 35). Alle vor mir Klassierten meiner Altersklasse sind jünger gewesen. Nächstes Jahr wäre ich mit einer 5 Min. schnelleren Zeit auf dem Podest in der nächsten Altersklasse.

XTerra France

Mehr als die Hälfte des jungen Feldes habe ich hinter mir gelassen. Ich kann mehr als zufrieden sein. Kein Sturz, kein Defekt (unterwegs habe ich einige „mechen“ gesehen), kein Einbruch. 7 Gels, eine Magnesium- und eine Koffeinampulle habe ich verdrückt. Obwohl ich unterwegs tüchtig Flüssigkeit zu mir genommen habe, bin ich nach dem Wettkampf immer noch 4 kg leichter als vor dem Start gewesen.

Was kann man besser machen? Eigentlich war es schon ein gefährliches Spiel: Ich habe nur für Wettkämpfe mit einer Zeit von zwei Stunden trainiert und selbst das nicht ausgiebig. Für vier Stunden war ich eigentlich zu wenig vorbereitet, habe aber auf meine Erfahrung vertraut (war den ganzen Wettkampf ziemlich abgeklärt und ruhig) und konnte das so gut schaukeln. Wenn ich ganz nach vorne kommen will, muss ich über längere Distanzen trainieren und etwas mehr Bergläufe machen. Nur so kommt man „ausgeruht“ zum Trailrun. Aber das technische Rüstzeug habe ich. Das ist schon viel wert. Mal schauen, was sich nächstes Jahr machen lässt. Dann gehöre ich zu den Jüngsten meiner Altersklasse.

P.S. Tausend Dank geht an Ute, die mich tatkräftig unterstützt hat. Ich bin ihr unendlich dankbar für alles, was sie an diesem Tag geleistet hat.

XTerra France

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