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Limburg226 (23. Aug. 09) PDF Drucken E-Mail

 Vor dem Start
Der Wettkampftag fing verheissungsvoll an: Der erste Langdistanzwettkampf bei dem ich in der Nacht zuvor durchgeschlafen habe. Temesta sei Dank. Sechseinhalb Stunden Schlaf waren die Grundlage für meine neue Bestzeit über die Ironman-Distanz.

Um 7h15 fiel der Startschuss am Bocholt-Herentals Kanal bei Neerpelt (Belgien), etwa 23 km südlich von Eindhoven. Auf den ersten 1900 m herrschte eine kaum sichtbare Gegenströmung, deshalb bin ich nahe am Ufer geschwommen und war immer auf Fussfühlung zu einem Vordermann. Ich fühlte mich gut, doch bei der Wende hatte ich auf meine Marschtabelle 3 Min. verloren.

Schwimmen
Auf dem Rückweg bin ich in der Kanalmitte geschwommen, um die Strömung zu nutzen. Leider haben das viele nicht gemacht und so fand ich mich plötzlich alleine und hatte keinen Referenzpunkt zu einem Vordermann. Nach etwa 50 Min. begann der Brillenrand auf der Stirn zu drücken, so stark, dass ich stechende Kopfschmerzen bekam. Während des Schwimmens versuchte ich unter Wasser die Brille zu verschieben. Ohne Erfolg. Erst auf den Fotos sah ich, dass ich die enge Badekappe über den Brillenoberrand gezogen hatte, was zu den Schmerzen und damit auch zu einem Leistungsabfall führte, wie ich später aus der Pulsaufzeichnung sehen konnte. Mit 1h05 bin ich 4 Min. über meinen Möglichkeiten geblieben. Wahrscheinlich hätte ich in einer Gruppe am Ufer entlang die zweite Hälfte mehr als nur eine Minute schneller als die erste Hälfte schwimmen können. Aber wenn die Zeit ebenfalls schlecht gewesen wäre, hätte ich mich geärgert, nicht die Kanalmitte genutzt zu haben.

 Bike
Die Radstrecke war flach mit nur 470 Hm und sehr abwechslungreich. Sechs Runden à 30 km klingt nicht gerade super. Aber dem war nicht so. Das erste Drittel war verwinkelt mit einigen 90° und drei 150° Kurven über nicht zu breite Strassen und Radwege an Feldern entlang und durch Wälder. Danach folgte ein Drittel über breite Landstrassen ohne grosse Kurven, aber oft unter Schatten spendenden Baumalleen. Schliesslich ging es durch Neerpelt zurück zum Sportzentrum. Die erste Runde bin ich wie geplant mit nur 220 Watt gefahren. Es war hart, als ich nach 20 km von zahlreichen Athleten überholt wurde. Doch ich verkniff es mir nachzusetzen. Die zweiten Runde hängte ich mich an eine 10er Gruppe, die mit etwa 229 Watt unterwegs war. Aufgereiht wie auf einer Perlenkette wurde äusserst fair gefahren. Ende der dritten Runde war mir die Pace mit etwas über 230 Watt zu langsam und in einem Anfall an Leichtsinn ist mein Temperatment mit mir durchgegangen und habe ich 350 Watt in die Pedale gedrückt, bin von der letzten Position nach vorne gefahren und habe 52 Min. 245 Watt getreten, um die Gruppe zu sprengen. Hätte böse in die Hosen gehen können. Ging es aber nicht. Nur drei konnten Ende der vierten Runde aufschliessen. Der Rest war weg. Danach habe ich mich wieder an die starken Biker gehängt und wir haben diejenigen überholt, die überzockt hatten. Die letzte Runde haben wir weitere Fahrer eingesammelt. Die letzten 10 km fiel das Tempo zusammen und ich habe ebenfalls zurückgeschalten. So gingen zwar 2 Min. verloren, aber ich war für den Lauf gut vorbereitet. 225 Watt hatte ich als Maximum über die 180 km möglich gehalten (Bestleistung im Wettkampf bisher: 216 Watt). Geworden sind es 232 Watt. Kaum zu glauben (zur genauen Analyse geht's hier und zur Trainingsplanung hier).

Laufen

Doch die Krönung sollte noch folgen. Mein auf Twitter gemeldetes Ziel war, den Laufsplit unter 3h30 zu absolvieren. Und es ging ab wie die Post. Anstatt der 4:50-4:55er Kilometerzeiten lief ist mühelos zwischen 4:20 und 4:35. Ein veritabler Schock. Da ich keinen Aufwand betreiben musste, liess ich es laufen. Die Laufstrecke war äusserst attraktiv, aber mental nicht ohne. Von der Wechselzone ging es zum grossen Teil unter Bäumen dem Kanal entlang. Angenehm kühl, aber hart, weil kein Ende zu sehen war. Dann wieder am Kanal entlang zurück durch das Sportzentrum hinein in das Stadtzentrum, vorbei am Ziel und den Strassencafés hin zur Gegenwende, wo keine Passanten waren, dafür die brütende Sonne. Wenn man auch glücklich war, wieder beim Sportzentrum zu sein, um im Schatten der Bäume die nächste Runde in Angrifff zu nehmen, waren die Gefühle gemischt, denn wieder ging es endlos lange am Kanal entlang. Eine tolle Kombination zwischen mentaler Herausforderung, Erholung im Schatten der Bäume, dem Blick aufs Wasser und etwas Stadtflair. Gegen Km 20 wurde es hart. Die Zeiten fielen auf 4:50 und ich hoffte, es würde kein Einbruch erfolgen. Doch ich konnte die Pace bei 4:55er bis 5:05er Zeiten halten.

Finish

Die Verpflegung beim Km 32 blieb mir gut in Erinnerung: Zuerst eine Salzkapsel in den Mund, dann ein Cola-Gel reingedrückt, eine Ampulle Aktivator mit einer gehörigen Portion Coffein geschluckt für den letzten Kick, und dann einen Becher Cola und Wasser gefasst und runter damit, zum nächsten Helfer und nochmals einen Becher Cola getrunken und den nächsten Becher Wasser über den Kopf geschüttet. Am Kanal hat mir ein Zuschauer freundlicherweise einen halben Liter Wasser aus einer Flasche über den Kopf gegossen und ich lief zur Hochform auf. Reihenweise habe ich die Jungs überholt, selbst die Halbdistanzler, die auch unterwegs waren. Bei der letzen Wende am Kanal sah ich noch einige Opfer auf der Gegenseite. Beim Sportzentrum überlief ich sie, in der Stadt waren sie weit hinter mir. Vorbei am Ziel, wo der Sprecher meinen Zieleinlauf auf Deutsch ankündigte, hin zur letzten Wende im heissen Niemandsland. Auf der Gegegnseite nur noch 600 m vom Ziel entfernt noch einer mit einer Langdistanznummer. Ich 400 m hinter ihm. Den hole ich mir noch, denke ich, und setze zum überlangen Endspurt an. Um die Wende rum, die Rundenkontrolleure gratulieren, zurück zum Ziel. 200 m davor fliege ich an ihm vorbei und schiebe mich in der Overallwertung mit 16 Sek. Vorsprung noch auf Rang 13 vor. Ich schaue auf die gelben Uhrenziffern, die über dem Ziel blättern. Die 10h05 erscheint nicht mehr. Meine Uhr bleibt bei einer Laufzeit von 3:29 stehen. Achtbeste Overall Laufzeit und als 48jähriger der 4. Rang in der Kategorie 40-49, welche die Hälfte des Teilnehmerfeldes umfasste. In der nicht geführten Kategorie 45-49 wäre ich Zweiter geworden. Meine persönliche Bestzeit über die Ironman-Distanz habe ich um 35 Min. auf 10h04 gesenkt. Was will man mehr? Mehr Fotos gibt es hier.