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35 km Steigerungslauf mit Laktatmessung PDF Drucken E-Mail

Laktat-Watt-PulsDer Spirometer-Test von letzter Woche hat bei der Analyse der Substratanteile bei der Energiebereitstellung interessante Werte ergeben. Die nebenstehende Darstellung zeigt praktisch keine Veränderung der Blutlaktatkonzentration bis 220 Watt. Im Diagramm darunter ist der Prozentanteil des Fetts an der Energiebereitstellung dargestellt. Überraschend ist, dass der Fettanteil bei 190 Watt noch um die 60% ist, bei 220 Watt jedoch nur noch 40%. Die restlichen 60% sind jetzt Kohlenhydrate. Diese entscheidende Verschiebung im Stoffwechsel wird jedoch in der Blutlaktatkonzentration nicht ersichtlich. Der Puls ist ebenfalls indifferent, wenn es darum geht, diese Verschiebung zu erkennen. Erst die nächste Messung zeigt eine etwas grösseren Zunahme der Herzfrequenz. Für das Radfahren kann jetzt mit entsprechendem Training in den Bereichen von 190-220 Watt die Fettverbrennung bei 220 Watt verbessert werden. Leider ist es beim Laufen nicht so einfach, diese Werte zu übernehmen. Zum einen müsste der Spirometer-Test auf dem Laufband gemacht werden, um hier Laufpulswerte zu erhalten (die Daumenregel von +10 Schlägen ist zu ungenau, um einfach die Werte vom Spirometer-Test mit dem Fahrrad zu übernehmen). Zum anderen ist es trügerisch, 2-3 Min. Stufenwerte vom Laufband im Labor (bei Raumtemperatur) auf einen Lauf von 35 km zu übertragen. Die Belastungen nach fast 3 Std. sind ganz anderer Natur, die Umgebungstemperatur von gegen 0° in der momentanen Jahreszeit lassen eine direkte Übernahme auch nicht zu. Es wäre deshalb ein Spirometer-Feldtest im Rahmen eines 35 km Laufs interessant. Einen solchen werde ich in nächster Zeit mit einem mobilen Spirometer machen. Der Testablauf sieht einen 35 km Steigerungslauf vor. Einen solchen (ohne Spirometer) habe ich heute mal absolviert, um erste Erkenntnisse zu sammeln.

35 km Steigerungslauf

 

Ich habe dazu Pulswerte aufgezeichnet und Laktatmessungen vorgenommen (siehe Darstellung oben). Die Idee wäre gewesen, die ersten 10 Km mit 4:50er Zeiten zu laufen, danach pro 10 Km die Kilometerzeiten jeweils um 10 Sek. zu senken. Da die Strecke hügelig ist (Höhenmeter sind bei der Laufgeschwindigkeit einberechnet; vgl. dazu den Höhenmesser von P. Greif) war das Timing nicht ganz einfach. Pulsmässig habe ich mich zurückgehalten, trotzdem bin ich mit einem 4:36er Schnitt zu schnell angegangen. Trotzdem habe ich wenigstens einen leistungsmässigen Steigerungslauf durchgezogen. Auf den zweiten 20 km habe ich den Puls auf 139 Schläge erhöht, konnte die Zeit aber nur marginal verbessern. Die letzten 3 Min. bin ich mit Puls 144 gelaufen, die Laktatmessung ergab 0.8 mmol. Dieser tiefe Werte (1.5 mmol wird in der Regel als Grenze für den ausgeprägten Fettstoffwechsel angegeben, ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen. Vgl. dazu die Studie von B. Knechtle/S. Bircher) entspricht den Erwartungen. Meine Grundlagenausdauer ist sehr gut. Bei den dritten 10 km musste ich nun mächtig kämpfen. Ein Grund dürfte gewesen sein, dass ich bewusst diesen Steigerungslauf total nüchtern gelaufen bin. Nur Tee ohne Zucker und kein Frühstück. Damit war der Körper gezwungen, den Fettstoffwechsel stark in Anspruch zu nehmen, um die notwendige Energie bereitstellen zu können. Dass dies der Fall ist, zeigt nun auch der Kilometerschnitt, der dramatisch gesunken ist, obwohl ich fast 10 Schläge mehr geleistet habe als auf den ersten 10 km (dies ist ein Grund, warum ich Laborwerten, die auf 2-3 minütigen Stufen basieren, skeptisch gegenüber eingestellt bin). Die Laktatmessung bei Km 30 (letzte 3 Min. mit Puls 143) zeigt immer noch nur 1.4 mmol. Danach habe ich meine letzten Kräfte ausgepackt. Konnte die abschliessenden 5 km mit der gleichen Leistung wie die 10 km davor halten (Puls 144), die Zeit ist jedoch noch etwas gesunken. Die letzten 2.5 km bin ich mit etwa 146-148 Schlägen gelaufen, die letzten 3 Min. mit 148 Schlägen. Selbst hier weisst die Laktatmessung am Schluss nur 1.7 mmol auf. Daraus ergibt sich, dass die Laktatmessung bei einer ausgeprägten Grundlagenausdauer selbst bei einem 35 km Lauf, wo man am Ende alles gibt, keine Aufschlüsse über die Energiebereitstellung gibt.

Laufspiro

Geht man davon aus, dass mein Stoffwechsel aufgrund des Spirometer-Tests auf dem Fahrrad mit der Daumenregel (Fahrradpulswerte + 10 = Laufpulswerte) beim Laufen irgendwo zwischen 140 und 150 Schlägen kippt, dann passt das oben gezeichnete Bild. Bei Km 20-30 bin ich in diesem Bereich gelaufen. Aufgrund der Spirometer-Daten ist anzunehmen, dass mein Körper hier mehrheitlich auf Kohlenhydrate umstellt, jedoch beim 35 km Lauf kaum welche vorgefunden hat, da ich nüchtern unterwegs war. Entsprechend musste weiter Fett verwendet werden und der Körper hatte ensprechend Mühe. Es wäre nun bei einem mobilen Spirometer-Test zu prüfen, ob diese These stimmt. Wenn ja, dann müssten 35 km Läufe etwa im Bereich von Puls 145 gemacht werden. Nicht um schnell zu sein, sondern den Köper daran zu gewöhnen, vermehrt auf höherem Niveau Fettanteile bereitzustellen.

 

» 1 Kommentar
1"Sehr aufschlussreich"
am Montag, 14. Januar 2013 05:39von Boris Lewandowski
Vielen Dank für die Veröffentlichung solch detailierter Artikel. Bezgl. mobilen Spirometer-Test: Schon ein passendes Gerät gefunden?
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