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Spiroergometer-Test auf dem Fahrrad PDF Drucken E-Mail
Am 8. Februar 09 war Diagnostic Day des Team Roy Hinnen. Alle waren eingeladen, beim ETH Spin-off Exersciences in Zürich anzutraben. Auf dem Programm stand ein Spiroergometertest inkl. Lakatmessung auf dem Fahrrad. Welch ein Leckerbissen für einen Diagnostikfan, wie ich es bin!
Spiroergometrie
 Spiroergometrie (Beispielbild)

Testablauf

Durch eine Gesichtsmaske atmend (um die Atemausluft und das Atemvolumen zu analysieren) wird nach einer zweiminütigen Kalibrierungszeit ausgehend von 100 Watt bei einer Frequenz von ca. 80 U/M begonnen zu treten. Alle 2 Min. wird die Wattleistung stufenweise um 30 Watt bis zur Erschöpfung erhöht. Am Ende jeder Stufe wird das subjektive Anstrengungsgefühl mit der Borg-Skala ermittelt, der Puls gemessen und Blutlaktat am Ohrläppchen entnommen. Der Abbruch des Tests erfolgt bei vollständiger Auslastung. Mit allen Vorbereitungen dauert der Test etwa 30 Min. Die Atmung durch die Gesichtmaske (nur ein kleiner Teil der Expirationsluft wird zur Analyse abgesaugt) ist im ersten Moment etwas ungewohnt, aber im Verlauf des Tests war ich so mit meiner „Arbeit“ beschäftigt, dass ich sie nicht mehr wahrgenommen habe.

Testauswertung

Ausgewertet, analysiert und eingeschätzt wurden:

  • respiratorische Werte (Sauerstoffaufnahme, respiratorischr Quotient, Atemfrequenz, Atemtiefe)
  • die Herzfrequenz
  • die Blutlaktatkonzentration
  • der Stoffwechsel (Fett-, Kohlenhydratoxidation, Energieverbrauch)
  • die Leistungsfähigkeit (Maximal- und Schwellenleistung, Trainingsbereiche)
Im Folgenden bespreche ich eine Auswahl dieser Daten.

Leistungsfähigkeit

Maximale LeistungsfähigkeitDer Test wurde bei 325 Watt und einem Puls von 162 Schlägen/min abgebrochen. Von den verschiedenen Maximalwerten erwähne ich hier nur meine Sauerstoffaufnahme (VO2max), die klassische Messgrösse der Ausdauer-leistungsfähigkeit, und zwar in ml/min pro kg Körpermasse. Mit einem VO2max von 58 ml/kg/min bin ich deutlich über dem Referenzbereich meiner Altersklasse. Mehr als 48 ml/kg/min wird als ausgezeichnet bewertet. Es ist zu beachten, dass ich noch kein spezifisches VO2max-Training gemacht, sondern nur im Grundlagenbereicht trainiert habe.

Vor der Auswertung des Tests habe ich aufgrund meines letzten funktionalen Schwellentests im November und persönlichen Trainingsaufzeichnungen meine Schwellenwerte wie folgt geschätzt:

Relative LeistungsfähigkeitLeistung: 255-260 Watt
Herzfrequenz: 145-150 Schläge/min

Die gemessenen Werte von 265 Watt bei 145 Schlägen/min zeigen, dass ich mit Hilfe des Ergomos und Lactate Scouts sehr gute Werte ermittelt habe. Der leicht höhere Wattwert ist auf die Leistungsentwicklung seit November zurückzuführen.

Respiratorischer Quotient (RQ)

Respiratorischer QuotientDer RQ gibt das Verhältnis der Menge des ausgeatmeten Kohlendioxids im Vergleich zur Menge des aufgenommenen Sauerstoff wieder. Beim Quotienten 1 besteht ein Gleichgewicht, ein Wert unter 1 zeigt einen Sauerstoff-überschuss, ein Wert über 1 eine Sauerstoffschuld an. Eine Ausbelastung ist in der Regel bei einem Quotienten von >1,1 erreicht. Das nebenstehende Diagramm zeigt, dass ich praktisch bis zur letzten Stufe einen Sauerstoffüberschuss ausgeatmet habe, also auch unter hoher Belastung keine Zeichen einer Sauerstoffschuld gezeigt habe.

Blutlaktatkonzentration

BlutlakatkonzentrationEin Diagramm der Auswertung hat mir besonders gefallen, nämlich jenes der Blutlaktatkonzentration. Was sieht das geübte Adlerauge? Tiefe Laktatwerte bis weit nach rechts. Selbst bei Ironman Pace von 220 Watt sind es immer noch 2 mmol. Erst danach gehen die Werte hoch. Genau das habe ich erhofft, schliesslich habe ich Grundlagentraining wie noch nie gemacht. Also alles richtig gemacht im Herbst- und Wintertraining.

Stoffwechselanalyse

Dass Laktat-, Watt- und Pulswerte nicht das Mass aller Dinge sind, zeigt die Analyse des Stoffwechsels. Werte, die ich bis jetzt noch nie untersuchen konnte, eröffnen neue Möglichkeiten, das Training noch exakter zu steuern. Vorauszuschicken ist, dass meine meine Ironman Pace etwa bei 220 Watt liegt. Im Moment kann ich über 90 km 212 Watt halten.

Fettstoffwechselanalyse

Im linken Diagramm ist zu sehen, dass die Menge an verbranntem Fett bis 190 Watt sehr hoch ist. In der rechten Darstellung ist zu sehen, dass der Fettanteil bei der Energiebereitstellung bei 190 Watt fast 60% ist, die restlichen 40% sind Kohlenhydrate. Bei der 5. Stufe (220 Watt) sinkt nun der Fettanteil unter 40%, d.h., der Kohlenhydrateanteil steigt über 60% (die entsprechende ergänzende Grafik lass ich aus Platzgründen weg). Was kann daraus abgeleitet werden? Ich muss den Fettanteil bei 220 Watt auf >60% steigern, damit mir beim Wettkampf nicht das Benzin ausgeht. Diesen Umstand kann ich aus den anderen Werten nicht ableiten. Die Analyse des Stoffwechsels erweist sich also als extrem hilfreich. Jetzt kann ich ein massgeschneidertes Training planen, um meine Fettverbrennung bei 220 Watt zu verbessern.

 

» 1 Kommentar
1"CardioEx?"
am Freitag, 12. Juni 2009 17:04von Raphael Huber
Hallo, 
Sehr interessant und auch sehr beeindruckend ihre Leistung! Hut ab! :) 
 
Ich beginne erst mit Training, bisher total unsportlich und bin derzeit nach 13 km Laufen an meinen Grenzen. Ich möchte mich einer Leistungsdiagnostik unterziehen, damit ich weiss wie genau trainieren. Ich kam bei der Suche nach einem guten Anbieter für Leistungsdiagnostik auf ihre Seite und auch auf Exerscience. Ist der Test dem sie da unterzogen wurden der "CardioEx" Test? Oder wurde da noch mehr gema
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