Startseite arrow Triathlon arrow Radfahren arrow Puls-Watt Feedback II
Puls-Watt Feedback II PDF Drucken E-Mail

Im Beitrag Puls-Watt Feedback I habe ich auf die Problematik hingewiesen, den (niedrigen) Anfangspuls als einziges Mass zur Bestimmung des Leistungsniveaus heranzuziehen. Hier bespreche ich den umgekehrten Fall am Beispiel meiner letzten 150 km Runde drei Wochen vor dem Langdistanzwettkampf in Köln: ein zu hoher Puls am Anfang.

Puls-Watt auf 150 km Runde

Während der 150 km Fahrt habe ich durchschnittlich 222 Watt (gelb) bei einem Puls von 132 S/M (rot) getreten. In der Anfahrt zur Murtenseerunde, die ich viermal absolviert habe, und am Anfang der ersten Runde ist der Puls extrem hoch mit Spitzenwerten bis zu 139 S/M bei bloss 199 Watt. Dies ist eigentlich der Puls am Ende der 150 km, wo ich über 1h45 mit 224 Watt unterwegs war (4. Runde und Rückfahrt zum Ausgangspunkt).

Wie ist der hohe Puls am Anfang zu erklären (vgl. dazu die Pulslinie hier)? Ich war ausgeruht, hatte jedoch bloss eine Stunde zuvor ein Frühstück zu mir genommen, eigentlich zu kurz vor der Einheit. D.h., der Körper war noch mit der Verdauung beschäftigt und damit doppelt belastet. Zum anderen bin ich erst 1,5 Std. vorher aufgestanden und mein Körper war definitiv noch nicht auf Betriebstemperatur. Ich habe getreten und der Ergomo zeigte mickrige Wattwerte an. Ziel war die 150 km bei 220 Watt zu absolvieren. Ich wusste, wenn ich zu lange bei tiefer Wattleistung unterwegs sein würde, müsste ich lange über der Durchschnittleistung fahren müssen, um die 220 Watt noch zu erreichen. Ein gefährliches Unterfangen, das sich am Ende böse rächen kann. Hätte ich jedoch mehr getreten, wäre mein Puls noch weiter gestiegen. Ebenfalls nicht akzeptabel. Aus Erfahrung wusste ich jedoch, dass meine Leistung mit der Zeit immer besser werden würde und der Stoffwechsel voll im Gang gekommen ist. Also habe ich einen Mittelweg gewählt. Ich habe den relativ hohen Puls so gelassen und die Wattleistung ganz langsam angezogen. Nach 30 Min. ist der Puls dann merklich gesunken, wo er für eine Stunde geblieben ist, und die Leistung war im gewünschten Bereich von 220 Watt. Ich konnte sogar leicht über den Durchschnitt gehen. Nach einer Stunde Fahrt ist dann endlich die Durchschnittsleistung auf 220 Watt geklettert. D.h., Erfahrung, Puls- und Wattvergleiche und ein behutsames Vorgehen haben zum gewünschen Resultat geführt. Ab der zweiten Stunde oder etwa nach 75 km bin ich dann zur Höchstform aufgelaufen. Ich konnte hohe Wattwerte bei niedrigem Puls treten. Nach ca. 90 km ist der Puls über den Durchschnitt gestiegen (wäre der Puls am Anfang wie üblich tief gewesen, wäre das sicher erst bei 110 km der Fall gewesen). Die letzten zwei Stunden bin ich dann deutlich über der durchschnittlichen Wattleistung von 220 Watt gefahren. Dass ich richtig gepaced habe, wird u.a. dadurch unterstrichen, dass ich danach locker 5 km mit einem Schnitt unter 4:30 (15 Sek. schneller als das geplante Marathontempo) gelaufen bin und mich ausgezeichnet gefühlt habe.

Hätte ich nur den Puls als Angabe gehabt, hätte ich schwerlich ein so gutes Timing hinbekommen. Die Wattangabe war extrem hilfreich, um zu sehen, was mit mir los war und erlaubt eine sehr behutsame Steigerung. Und letztlich musste das Ganze mit dem Körpergefühl und der Erfahrung abgelichen werden. Resultiert hat aus einer anfänglich katastrophalen Anfangsverfasssung eine Bestleistung, die über dem gesetzten Ziel lag: 150 km in 222 Watt in einer Ironman Pace von 5h03 bei 660 Hm und einer top Verfassung beim Lauf danach.

 

» Keine Kommentare
Es gibt bisher noch keine Kommentare.
» Kommentar schreiben
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich.
Letzte Aktualisierung: Freitag, 05. Dezember 2008